19 Oktober 2021

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Liebe LIBERTAS-Partner,

immer öfter wird weltweit laut über ein Verbot von Bargeld nachgedacht.

Anhänger des Bargeldverbots weisen dabei stets auf die Vorteile, wie beispielsweise die effektive Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus, hin. Kritiker hingegen sprechen in diesem Zusammenhang von einer pauschalen Kriminalisierung des Bürgers und einer regelrechten Enteignung.

Doch warum drängen Regierungen mehr oder weniger offen auf die Abschaffung von Bargeld? Wer profitiert davon und wie hoch sind die Chancen, dass es zu einer zeitnahen Einführung des Bargeldverbots kommt?

Bargeldverbot – Der Status quo

In Deutschland werden noch immer 79,0 % aller Transaktionen mit Bargeld abgewickelt. Diese Zahlen sind im internationalen Vergleich auffallend hoch und zeigen, dass besonders wir in Deutschland noch immer einen sehr starken Bezug zu Bargeld haben. In anderen Ländern liegen die Zahlen wesentlich niedriger. So werden in Frankreich nur 56,0 % aller Transaktionen mit Bargeld abgewickelt und in den Schweden sind es gar nur noch 27,0 %.

Argumente für die Bargeldabschaffung

Werfen wir nun einen Blick auf die Argumente, die für eine Bargeldabschaffung sprechen:

Einerseits – so behaupten die Anhänger des Bargeldverbots - könnten durch eine Bargeldabschaffung kriminelle Aktivitäten, wie beispielsweise die Geldfälschung sowie Raub- und Banküberfälle eingeschränkt werden. Zudem hätte die Abschaffung von Bargeld auch eine positive Auswirkung auf die Bekämpfung des Waffen- und Drogenhandels sowie auf die illegale Prostitution.

Bargeld und seine versteckten Kosten

Ein weiteres Argument sind die hohen Kosten, die uns Konsumenten oftmals gar nicht bewusst sind. So muss Bargeld in eigenen Fabriken produziert werden. Nach der Produktion werden die Münzen und Scheine mit Hochsicherheitstransporten an Banken und Geldautomaten ausgeliefert. Die Banken selbst haben zudem Verwahrungskosten, die nicht uner-heblich sind. Banken müssen Safes und Tresorräume bezahlen und tragen schlussendlich auch die Sicherungskosten, wie beispielsweise die Kosten für Alarmanlagen und Sicherheits-personal.

Geldscheine müssen zudem ständig ausgewechselt werden.

Anders als vermutet ist das Bezahlen mit Bargeld somit auf keinen Fall kostenlos und die Abschaffung von Bargeld würde für die Nutzer weitere Vorteile bringen:

  • Zahlungen ohne Bargeld sind deutlich effizienter
  • Zahlungen ohne Bargeld können schneller abgewickelt werden
  • Die bargeldlose Bezahlung ist weniger fehleranfällig
  • Ohne Bargeld können auch Angestellte kein Geld aus den Kassen stehlen

Argumente für die Beibehaltung von Bargeld

Die Einschränkung der persönlichen Freiheit ist nicht nur die am weitesten verbreitete Begründung für die Beibehaltung von Bargeld, sondern auch das nachvollziehbarste Argument. Die Bürger hätten durch eine Abschaffung des Bargelds nicht mehr die Möglichkeit auszusuchen, mit welchem Zahlungsmittel bezahlt wird.

Zudem würden alle Zahlungsvorgänge digital festgehalten.

Jeder Kauf wäre in einer Datenbank gespeichert. Kritiker fragen in diesem Zusammenhang, was denn mit diesen Daten passieren würde. Es könnte zum Beispiel sein, dass die Daten verkauft oder gehackt werden, wie es schon mehrmals auch in Deutschland der Fall war. Es wäre ohne Bargeld sehr leicht möglich, dass Daten unbescholtener Bürger in Hände geraten, in denen sie nicht unbedingt sein sollten.

Mögliche Auswirkungen von Datenmissbrauch

Eines der am häufigsten angeführten Beispiele ist in diesem Zusammenhang das Beispiel der Krankenversicherungen. Wenn sich eine Person beispielsweise ein Päckchen Zigaretten oder eine Flasche Rotwein kauft, könnten diese feststellen, dass der Betroffene Raucher bzw. Alkoholiker ist, und einen Preisaufschlag auf den Versicherungstarif fordern. Dieses Beispiel soll veranschaulichen, dass jede Person durch eine Abschaffung von Bargeld zu gläsernen Bürgern werden könnte.

Auswirkungen auf das Sparen

Ein weiteres Gegenargument ist die Tatsache, dass im Falle eines Bargeldverbots das Geld nur noch im Bankensystem aufbewahrt werden könnte. Es bestünde keine Möglichkeit es von dort abzuziehen.

Neben den Insolvenzrisiken im Bereich des Bankensystems, würde den Sparer über kurz oder lang auch Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank treffen.

Eine „Flucht“ des Sparers vor Negativzinsen durch schlichtes Abheben seines Geldes in bar wäre nicht mehr möglich.

Cyberkriminalität

Auch wenn Raubüberfälle und Geldfälschungen mit der Bargeldabschaffung eingedämmt werden können, so wird es auf der anderen Seite zu mehr Cyberkriminalität kommen.

Fazit zum Thema Bargeldabschaffung

Es bleibt festzuhalten, dass es tatsächlich große Interessensgruppen gibt, die für die Abschaffung des Bargelds plädieren. Hierzu zählt vor allem das Bankensystem. Auch hat der Staat ein sehr großes Interesse an der Abschaffung des Bargelds, da er so Kriminalität und Steuerhinterziehung einfacher bekämpfen und seine Bürger komplett überwachen kann.

Ein vollelektronisches Geldsystem – völlig transparent, ohne jeglichen Schutz der Privatsphäre bei Transaktionen und mit dem ständigen Risiko einer Enteignung durch den Staat – würde bedeuten, dass Geld kein privates Eigentum mehr sein wird und unsere Freiheit beendet und der Schutz vor unberechtigten staatlichen Eingriffen nicht mehr möglich sein wird.

 

Aus der Praxis der Schuldnerberatung (anonymisiertes Fallbeispiel):

An dieser Stelle möchten wir Ihnen, wie gewohnt einen Einblick in unsere Arbeit in der Schuldnerberatung geben.

Herr Wolfgang M. meldet sich, nachdem er längere Zeit selbst versucht hat, seine Schulden in den Griff zu bekommen. Erst als dies nicht geklappt hat, kam zu einer persönlichen Beratung in unsere Schuldnerberatung. Er ist 37 Jahre alt und lebt von seiner Ehefrau getrennt, allerdings noch gemeinsam in einer Wohnung. Die Ehegatten haben zwei minderjährige Kinder.

Wolfgang M. ist nach Beendigung seiner Selbständigkeit (er hatte einen kleinen Kiosk) nunmehr als Aushilfskraft in einem Restaurant für € 910,00 Brutto angestellt und erhält ergänzend ALG II. Auch seine getrennt lebende Frau und die beiden Kinder erhalten Unterstützung seitens des Jobcenters.

Bei dem ersten Gespräch erzählte er uns von Schulden bei seiner Bank, wo er außer einem Kredit auch noch ein überzogenes Girokonto hat. Des Weiteren gibt es Schulden bei mehreren Handyanbietern, von denen einer die Forderung bereits an ein Inkassounternehmen abgegeben hat. Es wurde inzwischen auch ein Mahn- und Vollstreckungsbescheid erwirkt und mit einer Kontopfändung gedroht.

Zunächst wurde Herr Wolfgang M. über die Möglichkeiten eines Pfändungsschutzkontos informiert, welches er sogleich bei einer anderen Bank einrichten konnte. Auf diesem Konto gehen inzwischen seine Einkünfte ein, so dass es ihm wieder möglich ist, den auf ihn entfallenden Mietanteil an den Vermieter zu zahlen.

Ein weiteres drängendes Problem war die beengte Wohnsituation der getrennt lebenden Eheleute, durch die es immer wieder zu Konflikten kommt, unter denen insbesondere die beiden Kinder gelitten haben. Die Ehegatten kamen überein, dass es zu einem Auszug unseres Klienten keine Alternative gibt.

Auf unser Anraten hin, hat Herr Wolfgang M. sich beim Wohnungsamt als wohnungssuchend gemeldet. Erst nach einigen Wochen fand sich privater Vermieter, der trotz negativer Schufa, bereit war ihm eine Wohnung zu vermieten, bestand aber auf Zahlung einer Kaution in Höhe von 2 Monatsmieten. Unsere Anfrage beim Jobcenter mit der Bitte um darlehensweise Übernahme der Kaution wurde zunächst abgelehnt, da die Wohnung geringfügig zu teuer war. Durch hartnäckiges Verhandeln unsererseits und dem Einreichen zahlreicher Belege über die aktuelle Marktentwicklung der Mietpreise in unserer Region konnte erreicht werden, dass die Kaution doch noch darlehensweise übernommen wurde.

Mittlerweile ist Herr Wolfgang W. umgezogen. Er ist in der Lage die Miete pünktlich zu zahlen. Mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern hat sich der Umgang entspannt. Es kam in letzter Zeit zu keinen Streitigkeiten mehr.

Mit der Bank und den übrigen Gläubigern konnten Teilverzichtsvergleiche und Ratenzahlungsregelungen getroffen werden. Wolfgang W. konnte kürzlich auch eine Erhöhung seiner Arbeitsstunden bei seinem Arbeitgeber erreichen. Er ist wegen den dadurch erhöhten Einkünften in der Lage, sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und Kindesunterhalt zu leisten.

Es grüßt Sie für die Mitglieder, Mitarbeiter und den Vorstand

Ihr Gerhard Schreiber
(Stellvertretender Vorsitzende)

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